Club100

Mit dem Ausbruch des Coronavirus in Deutschland wurden im Frühjahr 2020 – als eine der ersten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Neuinfektionen – Großveranstaltungen und Konzerte stark eingeschränkt, bzw. komplett untersagt. Daraus entwickelte sich erst "Sommer in Pusdorf" und danach "Club100".

Aus einer Notlage heraus entstand die Idee zum „Sommer in Pusdorf”, einer Veranstaltungsreihe, die im Sommer 2020 in den Pusdorf Studios stattfand. Hier wurde bereits auf ein stufenweises Hygienekonzept in Kombinationen mit einem hybriden Veranstaltungsdesign gesetzt, was dafür sorgte, dass Veranstaltungen unabhängig von der pandemischen Entwicklung stattfinden konnten. Im Gegensatz zu Veranstaltungen waren seinerzeit Medienproduktionen und Übertragungen nicht verboten –selbst die Fußball-Bundesliga konnte ihren Spielbetrieb vor leeren Rängen fortsetzen, durch Live-Übertragung in die heimischen Wohnzimmer auch vor Publikum. Dieser Idee folgte auch das von der Sendefähig GmbH entwickelte Medien- und Veranstaltungsformat CLUB100, das ab November 2020 startete.

Live-Übertragung in die heimischen Wohnzimmer

Für den CLUB100 konnten wir den Clubverstärker e.V. (Künstlervermittlung), und die PIER2 EVENT UG (Eventlocation) als Projektpartner*innen gewinnen. Das Programm des CLUB100 wurde durch eine Jury, bestehend aus Mitgliedern aller beteiligten Organisationen, festgelegt. Das Ziel war, Musikspielstätten und Veranstalter*innen mit verschiedenen Bands und Künstler*innen unterschiedlichster Genres, mit hohem und weniger hohem Bekanntheitsgrad, eine Bühne und Perspektive zu bieten, die diese aus der Passivität einer Bittsteller-Rolle zu holen. Damit wurde die bremische Veranstaltungsbranche – vom Booker, über das Catering bis hin zur Technik – aus dem pandemiebedingten, auferlegten Beschäftigungsverbot geholt, Existenzen und Geschäftsmodelle wurden gesichert und Arbeitskräfte in der Branche gehalten.

Um die Konzerte allen Interessierten zugänglich zu machen, wurde eine neue, eigens dafür entwickelte Streaming-Plattform aufgebaut. Die Konzerte fanden aufgrund der Pandemielage zum größten Teil ausschließlich im virtuellen Raum statt, die Kosten hierfür konnten teilweise über Streaming-Ticketerlöse refinanziert werden.

Ziel war es, eine Plattform entstehen zu lassen, die unabhängig von den großen Ticketanbietenden und Streamingdiensten funktioniert. Nur so konnte gewährleistet werden, dass ein maximaler Anteil der generierten Einnahmen an die von der Pandemie gebeutelten Künstler*innen und Gewerke zurückfließt.

Die Streamings sollten ein möglichst pures Konzerterlebnis in die Wohnzimmer der User*innen liefern. Deshalb wurde bei der Userexperience auf eine professionelle Bild- und Tonqualität gesetzt und bewusst auf Funktionen wie Chats oder ein Stimmungsbarometer verzichtet. Im Vordergrund stand der hochwertig produzierte Inhalt, auf den man sich als User*in voll und ganz konzentrieren konnte. Als Rückkanal fungierten hierbei die Social-Media-Kanäle des CLUB100. Hier fand vor, während und nach den Konzerten ein reger Austausch unter den Musikfans statt.

Aufgezeichnet bzw. gesendet wurde mit bis zu neun Kameras, besetzt mit erfahrenem Personal. Je nach Größe des Gigs wurden punktuell eine Polecam und/ oder Gimbal eingesetzt. Bei jeder Veranstaltung wurde ein eigens für den Stream produzierter und von der Beschallung unabhängiger Mix durch einen erfahrenen Tonmeister auf einem eigenen Mischpult bereitgestellt. Die hierfür benötigte Technik wurde größtenteils mit Fördermitteln angeschafft. Das Audiospezialequipment wurde gemäß Projektplan extern angemietet.

Die Künstler*innen wurden, zusätzlich zu sicheren Gagen der Veranstalter*innen, finanziell an den Streaming-Einnahmen beteiligt und in den gestalterischen Planungsprozess der jeweiligen Live-Übertragung eingebunden.

Zunächst war geplant, von den 40 Konzerten lediglich 25 Streamings zu produzieren, da alle beteiligten Institutionen davon ausgegangen waren, dass mit einsetzendem Frühjahr wieder Publikum in das PIER2 gelassen werden könnte und so auf das Streaming kleinerer Konzerte, bei denen das Potential, kostendeckende Einnahmen durch das Streaming zu generieren, als eher gering eingeschätzt wurde. Auf Grund der Pandemieentwicklung wurde das Streaming-Kontingent im Verlauf auf alle 40 geförderten Konzerte aufgestockt.